International Affairs

Als in der ersten Hälfte der 1880er-Jahre der spätere Kaiser Wilhelm II. als Prinz ins Auswärtige Amt kommandiert wurde, warnte ihn Bis­marck vor diesem »Mann mit den Hyänenaugen«, und auch Bülow äu­ßerte sich später in ähnlicher Reserve. Während seiner ganzen Amtszeit mied Fritz von Holstein jede verantwortliche Stellung, wirkte aber im Hintergrund durch seine Kenntnis des gesamten Apparates der Wilhelmstraße und des Personals. Er übte einen unheilvollen, gar nicht kontrollierbaren Ein­fluß auf die auswärtige Politik des Reiches aus und setzte dieses Wirken auch nach der Pensionierung fort, da führende Persönlichkeiten, unter ihnen Reichskanzler Fürst Bülow, häufig seinen Rat suchten.
»Großbeerenstraße 40«, dicht am Kreuzberg. Kleinbürgerhäuser, Klein­bürgerläden. Fünf Minuten davon, schon in der Yorckstraße, poltert, kreischt, protzt das neue Berlin in Stuckpomp. Hier ist seine Wohnung, drei Zimmerchen, nirgends die leiseste Ahnung von Luxus und Üppigkeit. Aber es muss auch regelmäßig etwas anderes sein, denn die Feinschmeckerei ist der einzige Tribut, den Holstein einer Le­bensfreude zahlt, die sonst bei ihm längst verschüttet ist.
Karl Kraus – Meister des giftigen Spotts
Herausgeber und ab 1912 alleiniger Autor der Zeitschrift »Die Fackel«, Satiriker, scharfer Kritiker der Presse und gleichzeitig damals einer ihrer Stars. Kraus war sein ganzes Leben lang umstritten. Marcel Reich-Ranicki nannte ihn »eitel, selbstgerecht und selbstwichtig«. Er wurde beschuldigt, sich in hasserfüllten Denunziationen und Erledigungen zu wälzen. Zusammen mit Karl Valentin gilt er als Meister des Galgenhumors. Kraus’ Anhänger hingegen sahen in ihm eine unfehlbare Autorität, die alles tun würde, um denen zu helfen, die er unterstützte.
1907 griff Kraus seinen ehemaligen Wohltäter Maximilian Harden wegen seiner Rolle im Eulenburg-Prozess in der ersten seiner spektakulären »Erledigungen« an: Maximilian Harden. Eine Erledigung. Das Verhältnis zwischen Kraus und Harden hing von Anfang an mit den gemeinsamen Vorstellungen von publizistischer Tätigkeit zusammen. Sie waren zueinandergekommen, weil sie der Ansicht waren, in ihrer Arbeit voneinander zu profitieren.
Teil 2
Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld: Das Ende König Ludwigs II. von Bayern
Über die Anwesenheit der »Lustbuben« bei Hofe erfährt man in dem Bericht des Fürsten Eulenburg einiges, potenziell gefährlicher jedoch wären andere Informationen gewesen, wären sie denn an die Öffentlichkeit gedrungen: Ludwig II. hatte sich die Zustimmung zur Reichsgründung von Bismarck abkaufen lassen, dieses wurde wiederum aus schwarzen Kassen bezahlt. Eulenburg weiß über all das genauestens Bescheid, ist auch vertraut mit dem Friseur Hoppe, der die Regierung bilden soll. An dem schicksalhaften 13. Juni 1886 hält sich Eulenburg in der Villa Cäcilia am Würmsee (Starnberger See) auf, die er damals mit seiner Familie bewohnte, blickte bisweilen durch ein Fernglas hinüber nach dem kleinen weißen »Schloss Berg«. Am nächsten frühen Morgen, erhält Eulenburg die Botschaft: »Aus Berg ist soeben ein Wagen gekommen, der eilend Dr. Heiß holte. Man hat in seinem Hause gesagt, dass der König und der Irrenarzt Gudden tot im See gefunden seien.«

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Erscheint 2024
ISBN 978-3-9821614-9-5 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-95-5 (PUB-FXL)
ISBN 978-3-9821614-5-7 (ePDF)


Die Legende

Die Stadt Rom, mit ihrer reichen Geschichte und ihrem kulturellen Erbe, ist seit jeher ein Ort der Inspiration für Gelehrte, Künstler und Suchende. In den engen Gassen und antiken Ruinen gibt es unzählige Rätsel, die darauf warten, entdeckt zu werden. Wilhelm v. Humboldt, der im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit zählte, hatte sich schon als Student neben seinen Fachstudien für die Kunst der Antike begeistert. So war ihm eine besonders reiche Zeit beschieden, als er in den Jahren 1802 bis 1808 Preußen beim Heiligen Stuhl vertrat. Humboldt war bekannt für seinen unersättlichen Wissensdurst und seine wegweisenden Beiträge zur Bildung und Sprachwissenschaft. Als er nach Rom kam, wurde er von der Schönheit und dem kulturellen Reichtum der Stadt in den Bann gezogen. Doch es war vor allem die Legende des Brunnen des Calixtus, der »Pozzo«, die seine Aufmerksamkeit erregte. Schon seit Jahrhunderten erzählt man sich in Rom von einem geheimnisvollen Brunnen, der über magische Kräfte verfügen soll. Es heißt, dass das Wasser dieses Brunnens diejenigen, die davon trinken, außergewöhnliche Weisheit und Wissen verleiht. Während Wilhelm 1808 Rom verlassen muss, verbleibt seine Frau Caroline v. Humboldt, mit den Kindern in Rom. In San Calisto wird sie auf den »Pozzo« aufmerksam, den die Benediktiner verkaufen wollten, und so gelang es ihr, das Kunstwerk für 150 Skudi zu erwerben. Heute steht der Marmorbrunnen des heiligen Calixtus im Atrium des Schlosses Tegel in Berlin.
Ein Briefwechsel zwischen Caroline und Wilhelm v. Humboldt, aus der Zeit seiner Abreise aus Rom 1808 bis zur Ankunft in Berlin 1809, gibt einen vertrauten Eindruck dieses Paares wieder. Es lässt uns teilhaben an den täglichen Ereignissen, die auch von schmerzlichen Verlusten berichten.
Besonderes Augenmerk wird auf das Leben und die bedeutenden Persönlichkeiten im Umfeld von Caroline v. Humboldt gelegt. Viele Geschichten werden über das Leben der Familien von Arnim, La Roche und vor allem Gabriele von Bülow erzählt.

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Erscheint 2024
ISBN 978-3-910471-96-2 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-97-9 (ePUB-FXL)
ISBN 978-3-910471-98-6 (ePDF)

 

Aufkommende Moderne

Berlin im 19. Jahrhundert – eine Stadt der Kontraste und Veränderungen. Die Straße »In den Zelten« im Berliner Tiergarten spiegelte die aufkommende Moderne wider, aber sie barg auch die Spuren einer reichen Geschichte, die bis in die tiefsten Winkel der Vergangenheit reichte.
»In den Zelten«, geht auf die dort kampierenden Flüchtlinge aus den Hugenottenkriegen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Diese durften Spaziergängern Erfrischungsgetränke verkaufen. König Friedrich I. hatte um 1700 damit begonnen, das Wildgehege des alten kurfürstlichen Tiergartens in einen der Öffentlichkeit zugänglichen Lustgarten zu verwandeln. Unter ihm ist die Charlottenburger Allee entstanden, auf ihn gehen auch der Große Stern und die Sternallee zurück. Friedrich der Große ließ nun mit der weiteren Verschönerung fortfahren. Knobelsdorff bereicherte den Großen Stern durch Hecken, Pyramidenbäume und Statuen und erschloss die »Lustwäldchen« zwischen den Hauptstrahlen durch irrgartenartige und ähnlich verschränkte Wegenetze. Auch den Zirkel, die Promenade der wohlhabenden Berliner Bürger, schmückte er durch Statuen und mannigfaltige Bepflanzung der Alleen aus. Vor allem legte er im östlichen Teil vor dem Brandenburger Tor ein neues Lustquartier an. Vor 1745 waren die Berliner nach der jung aufstrebenden, aber noch dörflich wirkenden Nachbarstadt Charlottenburg hinausgezogen – jetzt erwuchs den Charlottenburger Wirten die peinliche Konkurrenz der »Zelter«. Nicht nur der Tod Friedrichs des Großen 1786 scheint die Lockerung der Bauauflagen in den »Zelten« begünstigt zu haben, sondern auch die Einführung des Schlittschuhlaufens in Berlin; wenigstens erhalten die »Zeltenwirte« nun die Erlaubnis, auch im Winter ihre Hütten zu benutzen, aus denen die späteren Etablissements hervorgingen. Nun erst wurden die geteerten Leinwandzelte durch Holz-, dann Fachwerk- und Steinbauten ersetzt.
Namhafte Schriftsteller der Zeit, wie Goethe, nahmen sich seit der Entstehung der »Zelten« dieser Anlage und ihrer Umgebung an, für berühmte Persönlichkeiten wie Bettina von Arnim, Mathilde Wesendonck, Clara Schumann, Magnus Hirschfeld und Max Reinhardt wurde die Straße »In den Zelten«, die nur 500 Meter lang ist, zum Mittelpunkt ihres Lebens.

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ISBN 978-3-910471-85-6 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-86-3 (ePUB-FXL)
ISBN 978-3-910471-87-0 (ePDF)

 

Das frohlockende Berlin

Mitte der 1720er-Jahre war das Verhältnis zwischen Preußen und Sachsen-Polen aufgrund der unterschiedlichen Bindungen und Ziele innerhalb des Deutschen Reiches besonders schlecht und der Plan eines Bündnisses beider Staaten hatte sich erneut als undurchführbar erwiesen. Der preußisch-sächsische Zollkrieg war Anfang Dezember 1727 wohl glücklich zu Ende gegangen, Mitte Januar 1728 war sogar ein Freundschaftsvertrag geschlossen worden, dem in der zweiten Monatshälfte ein Aufenthalt Friedrich Wilhelms I. beim Karneval in Dresden gefolgt, und August der Starke, aus der albertinischen Linie des Hauses Wettin, hatte diesen Besuch Ende Mai 1728 in Berlin erwidert.
Bekannt sind die gegenseitigen Staatsbesuche der beiden Könige in ihren Residenzen, vergessen ist jedoch ein viel beachtetes Ereignis im Frühsommer 1728, das vor der Ankunft König August in Berlin stattfand: angesichts der Türme der preußischen Hauptstadt, in der Jungfernheide (es ist das Gebiet des späteren Moabit) leistete August seinem Gastgeber in einem plötzlichen Gefühlsausbruch ein Treueversprechen, in das er auch den Kurprinzen mit einbezog, und Friedrich Wilhelm I. ließ sogleich an jener Stelle des Spandauer Heerweges die Errichtung einer Gedenktafel vorbereiten. Der Besuch des Soldatenkönigs in der sächsischen Hauptstadt im Januar 1728 wurde in der Broschüre »Das glückliche Dresden« beschrieben. Sein Gegenstück, der halboffizielle Bericht über den Besuch August des Starken, ließ durch den Titel »Das frohlockende Berlin« eine Steigerung des offiziellen Ausdrucks der Freundschaft erkennen und konnte inhaltlich durchaus mit dem Bericht über die »Dresdner Aufführungen« mithalten.
Namhaft sind die zahlreichen Mätressen August des Starken, darunter Maria Aurora Gräfin von Königsmarck und die Reichsgräfin von Cosel. Sieben Jahre stand sie August bei seinen Staatsgeschäften zur Seite und nahm Einfluss am Hof des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs, und hebt sich von den anderen Mätressen ab. Eine neue polnische Konkubine zur Durchsetzung politischer Interessen fand August in Maria Magdalena Gräfin von Dönhoff. Die Cosel musste ihre Residenz, das Taschenbergpalais, räumen und sich nach Pillnitz zurückziehen. Der König stellte seine einstige Geliebte am Heiligen Abend 1716 auf der sächsischen Festung Burg Stolpen bei Dresden unter Arrest, bewacht durch die Burgbesatzung, Gräfin Cosel kehrte nicht nach Dresden zurück – sie blieb bis zu ihrem Tod 1765 auf der Burg.

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ISBN 978-3-910471-82-5 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-83-2 (ePUB-FXL)
ISBN 978-3-910471-84-9 (ePDF)

 

Vom Belvedere bis Germania

Berlin-Spandau umfasst die Bezirke Pichelsdorf, Pichelswerder und Pichelssee. Andererseits liegt Pichelsberg und der dazugehörige S-Bahnhof in Charlottenburg. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde am Pichelsberg ein Forsthaus errichtet, in dem später eine Schankwirtschaft eingerichtet wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute man auf dem Pichelsberg ein Forsthaus in dem ein Ausschank eingerichtet wurde. Alexander von Kameke ließ 1798 neben dem Forsthaus einen von einer Kolonnade umgebenen Pavillon erschaffen, das »Belvedere« – später kam noch die 1873 eröffnete Gaststätte »Reichsgarten« hinzu. Die Gegend entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner und Berlinerinnen. Auch König Friedrich Wilhelm III., der mit seinen Kindern, darunter die mit dem Prinzen Friedrich der Niederlande verlobten Tochter Wilhelmine, unternahm einen Ausflug hierher. Erfreut über den schönen Anblick der wasserreichen Landschaft soll der König die Tochter darauf aufmerksam gemacht haben, dass ihre neue Heimat Holland mit der vor ihnen ausgebreiteten Landschaft viel Ähnlichkeit habe. Im Andenken möge sie ihre alte Heimat nicht vergessen. Dem Berge gab der König zur Erinnerung an den dort verlebten schönen Augenblick den Namen »Prinzessinnenberg«.
Ein politisches »Frühlingsfest« der Burschenschaft auf dem Pichelsberg lag am Anfang jener traurigen Periode nach den Freiheitskriegen, die als Zeitalter der Reaktion und Demagogenverfolgung bis 1848 lastend auf Europa lag. Anlass zu der Veranstaltung war die Ermordung des Lustspieldichters August von Kotzebue (in dem man einen Vertreter des Despotismus sah), durch den Theologiestudenten Karl Ludwig Sand am 23. März 1819 in Mannheim.
Am Ufer der Havelchaussee entstand die Gaststätte »Kaisergarten« und Ende der 1890er-Jahre errichtete der Berliner Unternehmer Conrad Herold nördlich des Kaisergartens das »Seeschloss Pichelsberge« für seinen Sohn Erwin. Es erwirtschaftete aber nicht den erwarteten Gewinn und wurde nach 1914 zwangsversteigert.
Adolf Hitler plante mit seinem Baumeister Albert Speer Ende der 1930er-Jahre – im Rahmen des geplanten Ausbaus Berlins zur »Welthauptstadt Germania« – beiderseits der Heerstraße eine Hochschulstadt, die sich fast über das gesamte Gebiet Pichelsberg erstreckt hätte. An der Stelle des heutigen Teufelsbergs stand in den 1940er-Jahren der Rohbau der »Wehrtechnischen Fakultät«. Die Planungen fielen aber dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.
Ob unter Denkmalsschutz oder nicht – viele historische Bauwerke, die den Berlinern ans Herz gewachsen waren, verschwanden in den 1950er-Jahren. Dazu gehörten das »Jagdschloss Dreilinden«, oder die »Borsig-Loggia« im Tiergarten, sie wurden abgerissen. Dem historischen »Belvedere« auf dem Pichelsberg ereilte das gleiche Schicksal. Das nötige Geld um das Kulturdenkmal zu erhalten war nicht zu beschaffen, es wurde 1964 abgetragen. Die Besitzer der nahe liegenden Kiesgrube hatten Anspruch auf das Gelände an der Heerstraße erhoben.

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Erscheint 2024
ISBN 978-3-910471-81-8 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-80-1 (ePUB-FXL)
ISBN 978-3-910471-79-5 (ePDF)

 

Wechselndes Licht

Die Fotografin und Autorin Rengha Rodewill hat mit ihrer Kamera zahlreiche Wegmarken von Eva Strittmatter verfolgt. Rodewill dokumentiert besondere Orte in ihrer Heimatstadt Neuruppin, die Kindheit bei den Großeltern in Frankendorf und das Leben der Dichterin im brandenburgischen Schulzenhof, auch die letzten Wochen in Berlin und ihre Beerdigung im Januar 2011. Die Künstlerin zeigt eindrucksvolle Fotografien ihrer Spurensuche. Sie spricht auch über viele persönliche Begegnungen, Eindrücke, Gespräche und Erinnerungen. Zu den besonderen Erlebnissen zählt Strittmatters legendäre Freilichtlesung in Potsdam-Babelsberg, »KunstRäume« öffnen, die im Mai 2003 im Garten von Rodewills Atelier stattfand. Die Lesung wurde später »Donnerdichtung« genannt. Eva Strittmatter, die große Dame der deutschen Poesie, bleibt eine der beliebtesten und meistgelesenen zeitgenössischen Lyrikerinnen. Ihre Gedichtbände erreichen ein Millionenpublikum, gerade weil sie in ihren Gedichten bekennt, was andere in sich vergraben. Die »Spuren« erinnern an Eva Strittmatter.

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Erscheint 2025
ISBN 978-3-9820572-2-4


Erlebnis Dürer

Der Nürnberger Maler Albrecht Dürer soll im Jahr 1495 einen Spaziergang durch die Olivenhaine von Arco und zu anderen Plätzen unternommen haben, bei dem er den Ort Arco aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel eingefangen und die olivengesäumte Burganlage für die Ewigkeit festgehalten hat. Dürer befand sich damals auf dem Rückweg von seiner ersten Italienreise (1494), die er angestrebt hatte, um sich mit den seit der Renaissance aufgekommenen künstlerischen Tendenzen vertraut zu machen. Sein eigentliches Ziel war Venedig. Von dort aus hat er wahrscheinlich andere Orte in Norditalien bereist, wo er sich mit den Werken der Meister seiner Zeit, wie Mantegna, Carpaccio und der Brüder Giovanni und Gentile Bellini auseinandersetzen konnte. Während dieser ersten Reise, die er im Jahr seiner Heirat mit der wohlhabenden Bürgertochter Agnes Frey unternahm, konnte niemand ahnen, welchen Einfluss Italien und seine Künste auf Dürers späteres Werk haben würden.
Als er 1507 erneut nach Italien aufbrach, nach Venedig, kam er hingegen nicht mehr als Unbekannter. Die Anregung, die Dürer aus Italien empfangen hat, war formbildend für seinen Stil und er wäre wohl nie das geworden, was er schließlich wurde, wenn er nicht diese zwei grundlegenden Italienreisen unternommen hätte, und dort Gelegenheit hatte, mit den führenden Künstlern, insbesondere der Familie Bellini und der lombardischen Kolonie, die gerade Leonardo da Vincis Errungenschaften in Venedig verbreiteten, in Kontakt zu treten. Schaut man sich viele seiner Zeichnungen an, ist unübersehbar, wie er den Stil Carpaccios und Bellinis, Leonardos und anderer Künstler aufsog. Dürer erfand etwas Neues, einen neuen Stil.

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Erscheint 2025
ISBN 978-3-910471-94-8

 

Künstler und der Berggeist Rübezahl

Carl und Gerhart Hauptmann gründeten um 1890 die Künstlerkolonie Schreiberhau i. Riesengebirge (Schlesien), heute: Szklarska Poręba (Polen). Viele Träger bekannter Namen aus der Geisteswelt und der Bildenden Kunst siedelten sich in der Kolonie dauernd - oder auch nur vorübergehend an. Darunter so bedeutende Namen wie Wilhelm Bölsche, Werner Sombart und Bruno Wille bauten sich Häuser. Berühmte Maler und Bildhauer, wie Hanns Fechner, Hermann Hendrich, Hugo Schuchardt, Rudolf Maison lebten und arbeiteten in Schreiberhau. Eine besonders enge und intensive Verbindung hatte die Komponistin der Spätromantik Anna Teichmüller zu dem Dramatiker Carl Hauptmann – er fand in ihr seine größte Muse und nannte sie seine »Liederbraut«.
Sehr bemerkenswert sind die Bilder aus Schreiberhau mit seinen berühmten und bedeutenden Bewohnern. Wir werden mitgenommen in die außergewöhnlich, imposante und mystische Landschaft des Riesengebirges, reisen auf den Spuren des sagenumrankten Berggeistes Rübezahl, der so alt wie die Bergquellen selber ist. Die berühmte Sagenhalle in der Künstlerkolonie, erschaffen von dem Hallenbauer Hermann Hendrich, zeugt von geistiger Schönheit, wo allein die Natur die oberste Herrscherin ist, wo Menschen zusammenleben und schaffen im Zeichen von Freiheit und Liebe. Wie eine frühlingshaft immer wiederkehrende neue Kraft, stets aber begleitet von einer Rückbesinnung auf die alten Wurzeln wie Erde, Heimat, seine Sagen, Musik, Brauchtümer und Symbole. Viele von diesen Elementen verschmelzen sich in der Dichtung von Carl Hauptmann und der wundervollen Musik von Anna Teichmüller.

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Erscheint 2025
ISBN 978-3-9821614-6-4

 

Der Schrecken hat einen Namen

Es gab viele Orte in der ehemaligen DDR, die für ihr großes menschliches Leid berühmt wurden: Einer von ihnen war »Schloss Hoheneck«, ein geheimer Ort in Stollberg im Erzgebirge. Das ostdeutsche Frauengefängnis in der sogenannten »Frauenhölle« ist nach wie vor ein Synonym für die Verfolgung politisch unerwünschter Frauen in der DDR. Gefängnis des Terrors und geistige Zerstörung von Gefangenen, die Folter, Isolation in dunklen Arrestzellen, Körperverletzung und Vergewaltigung ausgesetzt waren. In Hoheneck war die DDR bedrückender als anderswo, da Willkür und Misstrauen das tägliche Leben Abertausender bestimmten.
Die Erinnerungen der Berliner Fotografin und Autorin Rengha Rodewill an diesen authentischen Ort sind nicht nur Relikte eines untergegangenen Unrechtssystems, sondern auch ein Beweis dafür, was Menschen anderen Menschen antun können. Die Bilder nehmen uns mit auf eine Reise durch das bedrohlich und unheilvolle Gefängnis, das den Schrecken der Vergangenheit bis zur Gegenwart atmet. In acht Einzelschicksalen erzählen Frauen von ihrer Verfolgung durch die DDR-Staatssicherheit bis zur Inhaftierung in Hoheneck und ihrer Freilassung.

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Erscheint 2025
ISBN 978-3-9821614-2-6

 

Als Nachlassverwalter haben wir die Pflicht einer Klarstellung:
Charles Amberg war in der Zeit des Nationalsozialismus in keinem Konzentrationslager interniert – auch nicht im KZ Neuengamme. Veröffentlichungen, die sich auf eine Inhaftierung Charles Ambergs von Oktober 1944 bis Mai 1945 beziehen, verstoßen gegen das Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen.

Wer Berlin hatte, dem gehörte die Welt

Charles Ambergs künstlerischer Nachlass erzählt von einem großen Librettisten, Komponisten, Schlagertexter, Reklamezeichner, Bühnenbildner, Kostümbildner, Regisseur, Choreographen und ja, auch von einem überaus erfolgreichen Tänzer. Wir werden mitgenommen in eine Zeit, die man später die »Goldenen Zwanziger«, oder die »Golden Twenties« nennen sollte. Man spürt es von New York bis Paris über London nach Berlin: Moloch, Weltstadt, Freudenhaus Europas – Berlin trägt alle diese Titel und verdient jeden einzelnen. Der Krieg ist vorbei, die alten Traditionen sind verschwunden und die Wirtschaft läuft wie nie zuvor, jetzt suchen die Menschen Zerstreuung. Für jeden Mann und jede Frau findet sich etwas, um dem Alltag der Langeweile und Sorgen zu entfliehen: Revue- und Varietétheater, Oper und Operette, Kabarett, Theater und Kino, Kostüm-, Witwen- und Transvestitenbälle. Rauschmittel wie Morphium und Kokain gehören dazu, Alkohol wird in Hülle und Fülle konsumiert und an den Börsen schnelles Geld verdient. Neue Musik und Tänze, insbesondere Swing, Shimmy, Foxtrott und Charleston, breiten sich wie ein Fieber in der Stadt aus. Vor allem aber die Revue, die die Opulenz von Operette und Varieté mit Kabarett vereint, ist ab Mitte der zwanziger Jahre das Unterhaltungsgeschäft in Berlin schlechthin. 
Während dieser Zeit kam Charles Amberg aus Kessenich bei Bonn nach Berlin und wusste sofort, dass er es nie bereut. Bald schreibt er Texte, die die Melodien der Komponisten verschönern und bis heute unvergesslich sind. Er hat unzählige berühmte Schlagertexte geschrieben, wie seinen größten Coup, den unverwüstlichen Gute-Laune-Foxtrott-Schlager »Wochenend und Sonnenschein« (Comedian Harmonists). Er inszeniert und choreografiert, führt Regie, entwirft Bühnenbilder und Kostüme, auch für das exotische Kabarett »Grille« in der Jägerstraße 11. Auf dem Programm die Nackttänzerin Anita Berber mit ihrem Ballett. Berber ist die Sensation Berlins, der Vampir, die Femme fatale – sie ist das Symbol für pure Exzesse. Der Österreicher Nico Dostal kommt 1924 nach Berlin, mit seiner ersten Operette »Clivia«, Libretto Charles Amberg, uraufgeführt am 23. Dezember 1933 im Theater am Nollendorfplatz, gelingt Dostal der Durchbruch als Operettenkomponist und Amberg als Librettist. Zwischen Amberg und dem Schöpfer der Haller-Revue Herman Haller besteht eine enge künstlerische Zusammenarbeit, wobei die Revue »Schön und Schick« herausragt. Die Premiere im überfüllten Admiralspalast in Berlin am 21. August 1928, schlug ein wie eine Bombe. Das Haller-Revue-Girl Mara Hummelt lernt Amberg in dieser Zeit kennen, sie wird seine Lebenspartnerin und Muse, Ambergs Ehefrau Elfriede war offen für diese Beziehung und akzeptiert sie – irgendwie.
Joseph Goebbels, in seiner Funktion als Reichsbevollmächtigter, verfügte den »Totalen Kriegseinsatz«, oder auch »Theatersperre« genannt, für alle Kulturschaffenden. Dieser Kriegseinsatz wurde am 24. August 1944 beschlossen und trat am 1. September 1944 in Kraft. Außerdem wurden alle öffentlichen Vergnügungsveranstaltungen ohne kriegswichtigen Bezug ab sofort verboten, dieses hatte die Schließung aller deutschen und österreichischen Theater und Kulturbetriebe zur Folge. Viele Künstler wurden zum Kriegsdienst eingezogen, oder an der Heimatfront in der Rüstungsindustrie beschäftigt, oder zu kriegswichtigen Tätigkeiten herangezogen. Im Juli 1944 bekommt Amberg von der Reichsschriftumskammer zwei Bescheinigungen für eine Reise nach Wien und für zwei Monate nach Wustrau/Mark Brandenburg, um dort aus beruflichen Gründen zu arbeiten. Charles Amberg wird bevorzugt als Künstler behandelt und für Veranstaltungen im Sinne der Kulturpropaganda herangezogen. Nach seinem Aufenthalt in Wustrau kehrt er Ende September 1944 nach Berlin zurück, er ist kraft- und mutlos geworden, eine Krankheit macht ihm mehr und mehr zu schaffen. Seine Lebenspartnerin Mara, mit der er bis zu seinem Tod in der Lietzenburger Straße zusammenlebte, ist an seiner Seite. Charles Amberg verstirbt am 15. August 1946 in einem Berliner Krankenhaus an einem aggressiven Krebsleiden.

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Erscheint 2025
ISBN 978-3-9820572-9-3

 

Allerlei Glück

Die Luisenstadt und die Tempelhofer Vorstadt, aus denen am 1. Oktober 1920 der Berliner Bezirk Kreuzberg wurde, stand schon dem jungen Dichter Fontane durch verschiedene Wohnungen, wichtige Ereignisse, Freundschaften und Arbeitsbeziehungen nahe, sodass dieser Stadtteil für sein Leben und Wirken besondere Bedeutung bekommen hat. Schon seit den 1820er-Jahren wohnten hier Familienmitglieder: die Adressbücher melden für das Jahr 1820 den Großvater von Theodor Fontane, den »Kabinets-Secretair P. Fontan(e), Friedrichstraße 230; 1824 in Pension« – ebenso 1826, aber nach der »Kleinen Hamburger Str. 13 in ein eigenes Haus verzogen«. Theodor Fontane legte am 19. Dezember 1839 bei dem Kreisphysikus Dr. Natorp, Alte Jakobstr. 109, in der Nähe der Kommandantenstraße, die Apothekerprüfung ab. Als er am 30. Dezember 1840 von dieser Berufstätigkeit aus Burg bei Magdeburg nach Berlin zurückkehrte, nahm ihn sein alter Freund Fritz Hesselbach in seine Wohnung in derselben Alten Jakobstraße auf; hier erkrankte Fontane und lag sieben Wochen in dieser »Chambre garnie« an Typhus danieder, und dann erst konnte er im Frühjahr 1841 seine neue Stellung in Leipzig antreten.
Von 1865 bis 1880 arbeitete Fontane – immer wieder abbrechend – an dem Entwurf eines Berliner Gesellschaftsromanes, der im ganzen unausgeführt blieb und von dem nur Teile für andere epische Werke verwendet wurden. Er sollte den Titel »Allerlei Glück« bekommen, eine Reihe von skurrilen Gestalten mit sehr verschiedenen Zielen zeichnen und in der Dessauer Straße spielen.
Dass Fontane 1872 in dieser Wohngegend ursprünglich bleiben wollte, zeigt ein Brief vom 30. März an Mathilde von Rohr: »Meine Frau ist jetzt vor allem in Wohnungsnöten. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon schrieb, dass unser Haus verkauft ist, dass die Mieten mindestens verdoppelt werden und dass wir also a l l e ziehen. Eine vorzügliche Wohnung in der Dessauer Straße hat uns Tante Merckel vorgestern weggeschnappt. Ich persönlich teile übrigens nicht die allgemeinen Ängste; wir müssen natürlich 3 Treppen hoch ziehen und 100 Thlr. mehr bezahlen; c'est tout. Dafür kriegt man aber »was«. Dies schrieb Fontane nur wenige Gehminuten vom Hafenplatz entfernt, wohin er 1886 einen der Berliner Schauplätze von seinem Roman »Cécile« verlegte.

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Erschienen 2023
ISBN 978-3-910471-88-7 (PUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-89-4 (PUB-FXL)
ISBN 978-3-910471-90-0 (ePDF)

     
       

 

 

AVANTI!

Leben und Werk Benito Mussolinis sind in einer umfangreichen Literatur beschrieben worden, doch die entscheidenden zehn Monate seines Lebens, vom 28. Juni bis zum 24. Mai 1915, haben 1935, als die Inauguraldissertation von Hans E. Pappenheim publiziert wurde, noch keine zusammenhängende Darstellung gefunden. Eine solche musste auch Fragment bleiben, da zum Zeitpunkt dieser Publikation die Bände des »Avanti!«, die Zeitung der Sozialistischen Partei Italiens (PSI), mit einer lückenlosen Übersicht der Artikel aus Mussolinis sozialistischer Zeit in Deutschland fehlen und die Benutzung, der in Italien noch vorhandenen nicht möglich war. Der knapp dreißigjährige Mussolini gelangte an die Spitze des ganzen italienischen Sozialismus. Die Zeitung »Avanti!« und die gesamte Bewegung erlangten eine extreme Bedeutung. Typisch war Mussolinis Anfang: »In dem Blatt, das ich redigiere, kann nur einer die Leitartikel schreiben – und der bin ich. Ein Blatt kann nur von einem Menschen und einer Idee geleitet werden. Ich bin nicht gekommen, um mir die Führung aus der Hand nehmen zu lassen.« Und schon stieg die Auflage des »Avanti!«
Viele Frauen haben von jungen Jahren an Mussolinis Leben begleitet und bestimmt – auch wenn er das naturgemäß anders sah. Die Jüdin Angelica Balabanoff beschreibt einen Mann, der Angst vor Hunden hatte, Angst vor Ärzten, Angst vor Friedhöfen und Angst davor, im Dunkeln alleine auf die Straße zu gehen. Von 1912 bis 1917 gehörte Balabanoff der Führung der Sozialistischen Partei an und trat Ende 1912 zusammen mit Benito Mussolini in die Leitung der Zeitung »Avanti!« ein. Sie war die erste der beiden intellektuellen jüdischen Liebhaberinnen des zukünftigen Duce; die zweite Margherita Grassini Sarfatti, genannt »Signora di Milano«. Auszüge aus ihrer Publikation »Mussolini. Lebensgeschichte« von 1926, erzählen über die Jugend und Anfänge Mussolinis, sein Bemühen und Streben, mit dem erklärten Ziel, politische Macht zu erlangen. Sarfattis größte Bedeutung liegt jedoch in ihren kunsttheoretischen Schriften und in der Unermüdlichkeit, mit der sie besonders junge, noch unbekannte Maler unterstützt und bekannt macht. In dem Klima der Bejahung von Schönheit und Harmonie im Gegensatz zu den Dissonanzen der kubistischen, expressionistischen und futuristischen Kunst, wird Margherita Sarfatti die Sprecherin einer Gruppe von sieben Künstlern sein, u. a. Mario Sironi. Diese Künstler, die sich in Lino Pesaros Galerie 1922 in Mailand trafen, um sich unter dem Namen »Novecento« zu vereinen.
Das Schicksal der »Amante« von Benito Mussolini: Clara ›Claretta‹ Petacci. Sie wurde von allen als seine »Geliebte und Profiteurin« betrachtet und konnte eine Situation nicht ertragen, die sie ausgrenzte und benachteiligte, daher setzte sie Mussolini öfter unter Druck, seine Frau Rachele zu verlassen. Mussolini schien diesem Vorschlag zuzustimmen, unternahm dann aber nichts und Petacci schickte ihm, vor allem von Februar bis April 1945 feurige Briefe, in denen sie ihn als Mann herabwürdigte und einen Egoisten, einen Schwächling, einen Feigling nannte. Dennoch war es sie, die bedingungslos an seiner Seite blieb und mit ihm am 28. April 1945 von Partisanen in Giulino di Mezzegra am Comer See hingerichtet wurde.
Nicht zu vergessen sei Mussolinis Ehefrau Rachele Guidi, die einfache Frau mit hellem Verstand und das blieb sie auch als »First Lady« ihres Landes. Es ist der private Mensch, der Familienvater, den Rachele realistisch und nicht ohne Humor, uns in ihren Erinnerungen »Mussolini ohne Maske« 1974 in Auszügen schildert. Sie wohnte bis zu ihrem Lebensende in dem Haus in Forlì, dass ihr Mussolini kaufte, als er noch nicht der »Duce« war.
Hintergrundgeschichten, die das Leben Mussolinis geprägt und begleitet haben ergänzen das Buch: Vahdah Jeanne Bordeux, Angelica Balabanoff, Claretta Petacci, Margherita Sarfatti, Mario Sironi, Franco Bandini, Benito Albino Dalser, Edda Mussolini Ciano, Eva Braun, Agro Pontino, Marsch auf Rom, Villa Feltrinelli, Partisanen, Quarto Camurri, Eleonora Duse, Gabriele D’Annunzio.

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Erschienen 2023
ISBN 978-3-9821614-8-8 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-99-3 (ePUB-FXL)
ISBN 978-3-9821614-7-1 (ePDF)

     
       

 

Kinder sind anders

Eine christliche Familie jüdischer Herkunft zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin. Der Gymnasialprofessor Karl Pappenheim und seine Frau Erna bewohnen die Beletage in der Söhtstraße 1 in Gross-Lichterfelde, heute: Berlin-Lichterfelde. Der Sohn Hans wird 1908 geboren und Erna Pappenheim beginnt die täglichen Ereignisse in ihrem Tagebuch niederzuschreiben. Das sind u. a. Erlebnisse während der Sommerfrische in Krummhübel, i. Riesengebirge, heute: Karpacz (Polen). Man trifft sich dort mit der Berliner Freundin der Familie, der Komponistin und Pianistin der Spätromantik, Anna Teichmüller, die einen größten Teil ihres Lebens in der von Carl und Gerhart Hauptmann um 1890 gegründeten Künstlerkolonie im benachbarten Schreiberhau, heute: Szklarska Poręba verbringt. 1911 werden die Zwillinge Inge und Ursel geboren und Erna Pappenheim beobachtet und beschreibt die Entwicklung ihrer Kinder. Sie ist sehr vertraut mit dem Verhalten von Mädchen und Jungen, denn der Schwiegervater, der Fröbel Pädagoge Dr. Eugen Pappenheim hat sein Engagement für die »Fröbelbewegung« an seine Töchter Anna und Gertrud weitergegeben. Herausragend war Tochter Anna, die zum Kreis der Pädagoginnen zählte, die Kindergärten gründete und leitete. Als Clara Grunwald, Initiatorin und Protagonistin der Montessori-Bewegung in Berlin, die Dottoressa Maria Montessori für einen Vortrag 1922 nach Berlin einlädt, werden Gertrud Pappenheim und ihre Schwester Anna Wiener-Pappenheim, vermutlich Maria Montessori auch getroffen haben. 
Erna Pappenheims Tagebücher sind ein bemerkenswertes Dokument aus der Zeit des Berliner Bürgertums zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wir erfahren auch von der katastrophalen Ernährungssituation der Zivilbevölkerung im »Hungerwinter« 1916/17, die selbst im Großbürgertum als äußerst schmerzhaft empfunden wurde. Neben den Aufzeichnungen sehen wir zahlreiche private Fotografien der Familie aus Gross-Lichterfelde, den Ferien in Krummhübel und Längenfeld im Ötztal in Tirol.

E-Book – ePUB3/PDF 
Zahlr. Abbildungen
Erschienen Juli 2022
ISBN 978-3-9820572-3-1 (ePUB)
ISBN 978-3-9821614-1-9 (ePDF)

     
       

 

Eine Straße in Berlin-Mitte im Wandel der Zeiten

Ende des 17. Jahrhunderts entstanden auf den unbebauten Flächen vor der Stadtmauer Berlins, die Scheunen Berliner Bürger mit Ackerbesitz. Dieses Gebiet wurde »Scheunenviertel« genannt, ein Name, der in der weiteren Geschichte der Stadt eine bewegte Rolle spielen sollte. Zu Beginn erwachsen feudale Palais und die Bewohner waren bedeutende Persönlichkeiten der Zeit, wie z.B. der preußische Minister Karl Abraham von Zedlitz, sein Anwesen befand sich in der Münzstraße 20, dessen namhaftester Besucher 1778, der Dichter Johann Wolfgang Goethe, auf seiner einzigen Berlin-Reise, war. Nach v. Zedlitz’ Ausscheiden aus dem Staatsdienst und Rückkehr nach Schlesien (1789) setzt ein merklicher sozialer Abstieg des Ansitzes Münzstraße 20 ein.
Unter dieser Adresse wird im Dezember 1859 das Victoria-Theater eröffnet und wir erleben mit, wie größte Niederlagen und höchste Triumphe sich abwechseln. Im März 1891 kam dann das Ende und das Victoria-Theater war Geschichte. In nennenswertem Umfang stieg die Zahl der ostjüdischen Einwanderer nach der ersten Russischen Revolution (1905) an und wurde verstärkt durch den Zuzug galizischer Juden, die nicht zum Sündenbock der in Auflösung begriffenen Kaiserreiche werden wollten. Die Gegend hinter dem Alexanderplatz wurde zu einem Lebenszentrum der so genannten »Ostjuden«. Ab 1933 wurden zunehmend neue Beschränkungen den Juden in Deutschland auferlegt. Familien auseinandergerissen, Abschied genommen – sehr oft für immer. Beim Novemberpogrom 1938, als die Synagogen brannten, war es der vorläufige Tiefpunkt und der letzte Moment, das Land zu verlassen. Wahllos wurden die Menschen verhaftet und in die Konzentrationslager gebracht. Noch ahnten nur Wenige, wie das Ende sein würde.
Julien Offray de la Mettrie war ein französischer Arzt, Philosoph und Satiriker, der sich vor allem mit seiner Schrift »L’homme machine« in der Geschichte des Materialismus einen Namen machte. Als wichtiger Denker des 18. Jh. vertrat er eine radikale materialistisch-atheistische Weltanschauung. Er wurde wegen seiner satirischen Äußerungen bzw. Angriffe auf das korrupte Verhalten einflussreicher Mediziner Frankreichs von diesen des Landes verwiesen. Schlimmer noch als seine Verfolgung durch die etablierten Medizinerkreise seiner Heimat traf ihn vermutlich die einheitliche Front der zeitgenössischen aufklärerischen Philosophen, die sich trotz ihrer Uneinheitlichkeit geschlossen gegen ihn, insbesondere gegen seine Auffassungen zu Sittlichkeit und Moral wandten. Über den Umstand seines Todes wird berichtet, der haltlose Narr habe seine Genussfähigkeit unter Beweis stellen wollen und eine riesengroße Pastete gegessen, woran er später, nach eigensinniger Selbsttherapie, gestorben sei. Diese Geschichte, die sehr unwahrscheinlich klingt, wurde später immer wieder gerne aufgegriffen und erzählt. Sein letzter Wille, auf dem Grundstück der französischen Gesandtschaft in Berlin beerdigt zu werden, wurde ignoriert. Seine Korrespondenz verschwand spurlos, seine Bibliothek wurde versteigert, nur seine veröffentlichten Schriften blieben der Nachwelt erhalten.

E-Book – ePUB3/PDF 
Zahlr. Abbildungen
Erschienen 2021
ISBN 978-3-9821614-3-3 (ePUB)
ISBN 978-3-9821614-4-0 (ePDF)

     
       


Ab nach Bautzen! – Inbegriff des Stasi-Terrors

Vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage.

Die Berliner Fotografin und Autorin Rengha Rodewill ist jahrelang den Spuren politischer Gefangener in der ehemaligen DDR gefolgt, die - wie in Bautzen II - nach ihrer Verhaftung zu »Nummern« geworden sind. 2010 begann ihre fotografische Arbeit in der Sonderhaftanstalt Bautzen II. Keine so detaillierte Beschreibung, auch die Darstellung eines Zeitzeugen kann die persönliche Erfahrung historischer Stätten nicht ersetzen. Kein Wort kann so tief berühren wie der Anblick eines authentischen Ortes. Mit dieser Fotodokumentation und den Erfahrungen ehemaliger Häftlinge aus dem »Stasi-Gefängnis Bautzen II« will die Fotografin an einen Ort erinnern, der wie kein anderer für die Willkür und das Misstrauen der DDR stand, und einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten. 1951 übernahm das für das gesamte Gefängnis zuständige Innenministerium der DDR die Justizvollzugsanstalt Bautzen, als »Objekt II« wurde das Gerichtsgefängnis wieder eine Außenstelle von Bautzen I, genannt das »Gelbe Elend«. 1956 richtete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in Bautzen II eine Sonderhaftanstalt ein, es wurde zu einem Hochsicherheitstrakt mit 200 Haftplätzen für Sondergefangene wie Regimekritiker, Spione oder Kriminelle mit prominentem Sonderstatus ausgebaut. 1963 wurde das Haus von Bautzen I getrennt und als eigene Strafanstalt geführt. Zur Tarnung blieb es nominell eine Einrichtung des Innenministeriums der Staatssicherheit unter Minister Erich Mielke. Im Dezember 1989 erfolgte die Auflösung des MfS, alle politischen Gefangenen wurden freigelassen.
Rodewill machte sich 2011 auf die Suche nach weiteren Spuren in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg, um in »Mielkes verlassener Stadt« zu fotografieren. Der »unheimliche Block«, ein gigantisches Viertel in der Normannenstraße, mit seinen Gebäuden war für Rodewill der Inbegriff des Grauens; die Machtzentrale der DDR-Staatssicherheit, der SED-Diktatur. Die ersten Aufnahmen entstanden im »Haus 22«, wo sich ursprünglich das Stasi-Museum befand, und weitere Fotos im »Haus 1« nach seinem Umzug im Jahr 2012. Im »Haus 7« befindet sich jetzt das Stasi-Unterlagen-Archiv-Berlin, Rodewill konnte auch da weiteres dokumentieren. Dies waren alles deprimierende Momente und schockierende Erfahrungen für die Fotografin, die sie nicht loslassen sollten.
2014 folgte der beeindruckende Schwarz-Weiß Bildband »Hoheneck – Das DDR-Frauenzuchthaus - Dokumentarische Erkundungen in Fotos mit Zeitzeugenberichten und einem Vorwort von Katrin Göring-Eckardt«.

E-Book – ePUB3/PDF 
Zahlr. Abbildungen
Erschienen 2019
ISBN 978-3-9820572-7-9
(ePUB)
ISBN 978-3-9820572-8-6 (ePDF)

           
             



Eva Strittmatters Gedichte im Licht der Deutschen Oper Berlin

Vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage.

Die Kombination von Lyrik und Fotografie, so lyrisch die Fotografien von Rengha Rodewill sind, so bildhaft ist Strittmatters Lyrik. Requisiten sind jenseits der Bühne nur Gegenstände, die nach der Vorstellung wieder in Regalen und dunklen Kammern verschwinden, aber auf der Bühne bestimmen sie die Emotionen mit und tragen zu einem erfolgreichen Abend bei. In stimmungsvollen Fotos hat die Berliner Künstlerin Rengha Rodewill die verborgenen Welten hinter der Bühne der Deutschen Oper Berlin wieder ans Licht gebracht und mit den zeitlosen Gedichten von Eva Strittmatter in einen Dialog gesetzt, sodass im Spiel der beiden Kunstformen, ein neues ästhetisches Erlebnis entsteht. Das lange Gedicht »Der junge Stendhal in Paris 1805«, das seine Tagebücher aufnimmt und umsetzt, dazu der »Barlach-Kopf«, der die Oper beherrscht, es hat mich erstaunt und verwundert mich, wie Rengha Rodewill meine Gedichte zu lesen versteht, welch eine Innenwelt sie ihnen abgelesen hat. Der Einbruch der Oper, des Schicksals in meine verborgene Wald-Existenz erhebt mich, schafft mir eine ganz unerwartete Sicht auf meine Gedichte und auf das von mir doch gelebte vergangene Leben. (Vorwort Eva Strittmatter/Auszug).
Eva Strittmatter (1930-2011) ist eine der populärsten und meistgelesenen Lyrikerinnen der Gegenwart. Mit einer Rekordauflage von über zwei Millionen Exemplaren wurden ihre Bücher in 17 Sprachen übersetzt. Die Form ihrer Gedichte besticht durch Einfachheit und Klarheit. Sie veröffentlicht mehr als ein Dutzend Bände mit Gedichten, Prosa und Kinderbüchern.
Der schriftstellerische Nachlass wurde 2015 zusammen mit dem ihres Ehemannes Erwin Strittmatter an die Akademie der Künste in Berlin übergeben.

E-Book – ePUB3/PDF 
Zahlr. Abbildungen/Gedichte
Erschienen 2019
ISBN 978-3-9820572-4-8 (ePUB)
ISBN 978-3-9820572-0-0 (ePDF)

           
             

 

 

Zwischen Kunst, Liebe und Revolution

Vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage.

Die Fotografin und Autorin Rengha Rodewill verschafft sich interessante Einblicke in das Leben der bedeutenden jüdischen Berliner Bildhauerin Ingeborg Hunzinger. Zahlreiche Fotografien von 2008 aus ihrem persönlichen Lebens- und Arbeitsbereich und dem berühmten Freiluftatelier sind zu sehen. Rodewill dokumentiert außerdem wichtige Skulpturen im Berliner Stadtraum, die von der Künstlerin erschaffen wurden. Hunzingers bedeutendstes Werk ist der »Block der Frauen« in der Berliner Rosenstraße. Das Denkmal erinnert an den Aufstand der »Berliner Frauen 1943 – Rosenstraßen-Protest«. Auf der Rosenstraße verlangten sie in Sprechchören »Gebt uns unsere Männer wieder«. Ein biografischer Text führt den Leser in das unruhige Leben von Beginn der Kindheit, in einem wohlhabenden arisch-jüdischen Elternhaus, bis hin zur Kommunistin. Hunzinger zählt mit zu der prägendsten und anerkanntesten Bildhauerin Berlins. Die Krönung ihres Lebenswerks war die Arbeit an einer lebensgroßen Skulptur Rosa Luxemburgs, die sie sehr verehrte. Die Bildhauerin konnte das Werk nicht mehr vollenden, im Alter von 94 Jahren verstarb sie am 19. Juli 2009 in Berlin. 
Rosa Luxemburg gewährt literarische Einblicke in ihren emotionalen Liebesbriefen an Leo Jogiches, dem Mitbegründer der KPD, sowie an ihren jungen Geliebten Kostja Zetkin. Ihre Briefe sind zartfühlend und dann wieder rebellisch; wir erleben die politische Kämpferin außerhalb der Klassenkämpfe in ihrer widerspruchsvollen Privatsphäre. Die Inhalte sind nicht nur schöne Worte und liebe Botschaften, sondern gleichzeitig Betrachtungen über politische Ereignisse, sowie unvermittelte Analysen der gegenseitigen Gefühle und Kritik am Verhalten der Geliebten. Zahlreiche Briefe schrieb Rosa Luxemburg auch an Clara Zetkin, Luise Kautsky, Mathilde Jacob und Sophie Liebknecht; diese geben die bedingungslose Vertrautheit zu den ihr nahestehenden Freundinnen wieder.
Konstantin (Kostja) Zetkins weitere Lebensspuren mit seiner Frau Gertrude Bardenhewer werden in erstmals veröffentlichten Fotografien gezeigt. Das besondere Bildmaterial umfasst die Jahre in Frankreich, USA und Kanada.

E-Book – ePUB3/PDF 
Zahlr. Abbildungen
Erschienen 2019
ISBN 978-3-9820572-5-5 (ePUB)
ISBN 978-3-9820572-6-2 (ePDF)